„Guten Morgen Vorchdorf“ bringt
Thomas Maurer in die Kitzmantelfabrik
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In seinem 12. Soloprogramm „Áodílí“ (chinesisch für „Österreich“) begab sich Thomas Maurer in eine Welt voller globalisierter Fallstricke, Merkwürdigkeiten und Skurrilitäten. Er spielt den Mühlviertler Diplomingenieur Sigi Gschwandtner, der am Flughafen in Beijing auf seinen Rückflug wartet. Im Interview spricht Thomas Maurer über seinen Sprachkurs im oberösterreichischen Dialekt, seine Recherchen in China und die Unmöglichkeit, den Beruf des Kabarettisten zu erlernen.
Megacitys versus Ländliches
Nachdem er in den 90er-Jahren bereits zusammen mit Leo Lukas in Vorchdorf gastiert hatte („Servus Hongkong“), war es nun der erste Solo-Auftritt von Thomas Maurer – wieder mit dem Kulturverein „Guten Morgen Vorchdorf“ als Veranstalter, dieses Mal allerdings in der neuen Kitzmantelfabrik. Die Tatsache, dass er einen Mühlviertler spielt, hat mit der Globalisierung als Hauptthema und dem Aufeinanderprallen von regionalen Unterschieden zu tun. „Ich wollte in meinem Programm bewusst einen Helden mit ländlich-provinziellen Wurzeln dem großen China entgegensetzen. Beim Durchgehen der Dialekte stieß ich auf das Oberösterreichische, weil es weit verbreitet und doch sehr speziell ist und von den meisten Menschen gut verstanden wird“, schildert Maurer die Genese der Grundkonstellation. Auf die Frage, ob es denn nicht auch einen Wiener Typen ähnlichen Zuschnitts gegeben hätte, weist er auf den Unterschied zwischen Stadt und Land hin. „Natürlich ist ein Kaisermühlner nicht unprovinzieller im Sinne einer idealistischen Geisteshaltung, aber doch urbaner. Mir ging es darum, den chinesischen Megacitys etwas Ländliches entgegenzustellen – da hat mir die aufgesetzte Herzigkeit des Oberösterreichischen gut ins Konzept gepasst. Es geht stark um Identitätsbewahrung und die Verrenkungen, die dazu notwendig sind. Um sich das Selbstbild des gestandenen Mühlviertlers zu bewahren, ist für Sigi Gschwendtner einiges an Realitätsverschiebung notwendig.“
Schwierige Sprachschule
Wobei: Die Einstudierung des Dialekts gestaltete sich schlussendlich wesentlich schwieriger, als Maurer zunächst angenommen hatte. „Das war echt harte Arbeit. Ich konnte noch wenige Wochen vor der Premiere kein Wort Oberösterreichisch. Ich habe die Entscheidung für diesen Dialekt abstrakt getroffen – wissend, dass ich kein Wort kann. Euer Dialekt ist für Wiener echt beschissen zu lernen“, fasst er die Herausforderung zusammen. So wären andere Dialekte wie Vorarlbergerisch oder Kärntnerisch wesentlich einfacher zu lernen gewesen, weil es sich dabei aus Sicht des Bühnendarstellers um echte Fremdsprachen handelt. „Ich habe zunächst begonnen, mit Maria Hofstätter zu arbeiten, die mir den Text ins Oberösterreichische übersetzt hat. Dann habe ich Rhythmus, Betonung und Grammatik gelernt – wenn du im Wienerischen das Substantiv zur besseren Pointierung ans Satzende setzt, dann geht das in Oberösterreich nicht.“ Eine wesentliche Unterstützung war ihm auch seine Regisseurin Petra Dobretsberger, eine gebürtige Kremsmünsterin. „Inzwischen bin ich sogar bei den Mühlviertlern akzeptiert. Das schönste Kompliment war von einer Besucherin, die meinte, dass ich nicht aus dem fiktiven Ort St. Hypokrit komme: ‚Oba goi, du kummst scho mea aus Roaboch.’“
Exotik der Globalisierung
Wie es sich für einen seriösen Kabarettisten gehört, ging Thomas Maurer zur Feldforschung für drei Wochen nach China. „Ich hatte eine relativ klare Vorstellung vom Programm – das Ergebnis entspricht wirklich dem, was ich dort erlebt habe. Ich wollte ein Gefühl entwickeln und nicht die letzten Geheimnisse der Kultur ergründen. Deshalb habe ich mich viel mit Österreichern unterhalten, die in China arbeiten. Die haben mir einige Geschichten mitgegeben, die sich jetzt 1:1 im Programm finden“, so Maurer, der darauf stolz ist, dass sein Programm auch bei Menschen mit Asien-Erfahrung gut ankommt. Auf China fiel seine Wahl, weil es – neben Indien – zu den wichtigsten Regionen unseres Planeten gehört. „Ich habe nach etwas Exotischem gesucht, wobei heute nichts mehr exotisch ist, aber von China existieren die stärksten Bilder in unseren Köpfen, auch wenn diese Bilder oft nicht stimmen.“
Talent in der Kombination
Bei der Frage, worin das Spezifische des Kabarett-Berufes bestehe, wird relativ schnell klar, dass man diesen Beruf nicht erlernen kann. „Vielleicht ist es gut, dass es so etwas wie eine Kabarett-Schule nicht gibt, weil wir eine Mischung aus allen möglichen Bereichen machen. Wir sind oft unsere eigenen Autoren, Darsteller, Musiker und Regisseure. Im Idealfall bedeutet das, dass man selbst dann, wenn man nichts perfekt beherrscht, etwas Einzigartiges machen kann und das Talent in der Kombination besteht. Man kann Routinen lernen, etwa wie man eine Dramaturgie baut – aber Kabarett selbst kann man nicht lernen.“
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Fotos: Werbegrafik Windischbauer